Aus dem Hauptstaatsarchiv zu Düsseldorf

VonElena

Aus dem Hauptstaatsarchiv zu Düsseldorf

Das Hauptstaatsarchiv zu Düsseldorf bewahrt die Niederschrift eines Anonymus auf, der die Verhältnisse im Herzogtum Jülich darstellt. Er beschäftigt sich auch mit dem alten Schützenwesen, und wir können annehmen, dass so oder ähnlich auch in Frechen das Schützenfest begangen wurde. Es heisst da:

„Das Vogelschiessen pflegt ebenfalls in jeder Stadt und in jedem Dorf auf einen gewissen für ewig dazu bestimmten Tag kurz vor der Gottestracht angestellt zu werden. Man richtet nämlich auf einem Baum oder auf einer zu dem Ende unterhaltenen Vogelstange einen großen hölzernen Vogel auf, nach welchem sodann von den Einwohnern desselben Ortes, die dazu Lust haben, mit Feuerrohren und Flinten oder auch an einigen Orten mit Bogen und Armbrüsten geschossen wird. Niemand erhält hierbei etwas für seine Bemühung als nur allein derjenige, welcher das Glück hat, das letzte Stück vom Vogel herabzuschießen. Dieser wird mit grossem Frohlocken zum König ausgerufen, man umhängt seinen Körper mit allerhand silbernen Schildern, die zu dem Ende verwahrt werden, man setzte ihm einen Federbusch auf den Hut, man begleitet ihn von dem einen Haus zu dem anderen, wo man ihn allenthalben mit einem frischen Krug Bier bewillkommnet, ja, welches am meisten zu bewundern ist, man führet ihn sogar an unterschiedlichen Orten in die Kirche, allwo „Gott, dich Herr“

gesungen wird und von dem Pastor der sakramentalische Segen gegeben wird…

Schützenkönig und Präsident Jakob Cremer - Hauptstrasse / Ecke Rotkampstrasse

Schützenkönig und Präsident Jakob Cremer – Hauptstrasse / Ecke Rotkampstrasse

Als Frechen 1815 nach der französischen Besetzung preussisch geworden war, gab sich die Regierung alle Mühe, die durch die lange Kriegszeit eingerissenen Missstände im Land zu beseitigen. Vor allem hatte man es auf Landstreicher und Diebe abgesehen. Als der Frechener Bürgermeister Henrich Fischer am 6. Juni 1816 zu einer „allgemeinen Haus- und Landvisitation“ aufrief, meldeten sich fünf Förster, einige Jäger und „freiwillige Schützen, da jedermann glaubte, es würde eine Wolfsjagd veranstaltet…“ Obwohl sich die Sebastianusbruderschaft auf Anordnung der französischen Behörden hatte auflösen müssen, gab es dennoch zu Beginn der Preussenzeit noch Schützen, die dem Aufruf des Bürgermeisters gefolgt waren. Noch im Jahre 1825 gab es in der Audomarkirche eine Sebastianus-Statue, die wahrscheinlich eine Stiftung der Bruderschaft war. Dies erfahren wir aus einem Bankvermietungsprotokoll, in dem es heißt :

„Emanuel Uhles kaufte von seinem Schwiegervater Amand Stark ….einen Platz in der kleinen Bank mit dem Ende an den Pfeiler von St. Sebastian…“

Die Bruderschaft hat sich, wie gesagt, unter der französischen Herrschaft auflösen müssen und ist unter dem Namen nicht wieder erstanden. Ich folge jetzt den Ausführungen Heinrich Höschlers, der im Jahre 1927 im Frechener Tageblatt seine „Beiträge zur Heimatgeschichte- veröffentlichte
Die wenigen Mitglieder der Frechener Schützenbruderschaft übergaben 1832 das Restvermögen der Pfarrkirche St. Audomar als wohltätige Messestiftung für die verstorbenen Mitglieder der Bruderschaft. An Stelle der Schützenbrüder übernahmen 1810 junge Leute, die aus dem Krieg zurückgekehrt waren, die üblich gewesene Begleitung der Prozession mit Gewehren.

Am 9. März 1848 traten in Frechen die Demokraten auf den Plan.  Sie versammelten sich im Oberdorf und wollten sofort zur Teilung schreiten. Zuerst zogen sie zur Mühle des Gutsbesitzers Ceelen. Da sie daselbst nichts ausrichten konnten, zogen sie zum Bürgermeisteramt. rissen den Adler herunter und setzten an dessen Stelle eine Eule. An vielen vornehmen Häusern wurde versucht einzudringen. Die von Bürgermeister Kügelgen organisierte Wache war in der Schule auf dem Clarenhofgrundstück untergebracht. Die Wache wurde von der Menge überwältigt und floh bis auf den Wachmann Christian Neumann… Deutzer Dragoner stellten am nächsten Tage die Ruhe wieder her.“

Antoniterstrasse 1926 – Matthias Durst, Kommandant Hendrichx, Josef Effertz

Diese Unruhen in Frechen müssen vor einem allgemeineren Hintergrund besehen werden. Im Gefolge der im Februar 1848 in Paris gegen den Bürgerkönig Louis Philippe ausgebrochenen Revolution brachen auch in Deutschland überall Unruhen aus. Am 18. Mai wurde die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche unter dem Vorsitz des Heinrich von Gagern eröffnet. Sie beschloss die Ausschaltung des Deutschen Bundestages. wählte Erzherzog Johann zum Reichsverweser, erklärte die Grundrechte: Freiheit der Person. Gleichheit aller vor dem Gesetz, Presse- und Religionsfreiheit. Schliesslich wählte sie Wilhelm IV. von Preussen zum erblichen Kaiser. Dieser nahm aber „aus der Hand des Volkes“ die Krone nicht an. Unter den Abgeordneten zu Frankfurt befand sich auch Robert Blum. Seine Voreltern stammten aus Frechen. Neben dem Ratskrug stand an dein heutigen Strassendurchbruch ein kleines Fachwerkhaus, in dem die Familie Blum, in Frechen sagte man Blom, wohnte. Als man das Haus abbrach, eine Strasse durch die Häuserlücke führte, war das die „Blomestross“ Später wurde die Strasse in Marienstrasse und jetzt Keimesstraße unbenannt, der Name hat also mit „Blumen“ nichts zu tun… Robert Blum wurde noch im Jahre 1848 in Wien wegen der Teilnahme an einem Aufstand standrechtlich erschossen.

Über den Autor

Elena administrator

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.