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VonElena

So las man in der Zeitung …

In den Jahren vor dem Ersten Weltkriege war das Schützenfest das hervorragende gesellschaftliche Ereignis im Dorf Die Frechener Volkszeitung hat alljährlich darüber berichtet.

So heißt es in ihr am 15. August 1911:

„In schönster Harmonie ist unser diesjähriges Schützenfest verlaufen. Am Samstagabend bewegte sich ein stattlicher Fackelzug unter den Klängen der Kapelle des 65. Infanterie-Regiments durch den Ort… Die und am 13. August Königswürde, errang Herr Christian Neumann .. „

und am 13. August 1912:
Montag wurde, nachdem man dem Gottesdienst beigewohnt, mit dem Schießen nach dem Königsvogel begonnen. Die Königswürde errang Herr Johann Cremer.“

Im nächsten Jahr brachte die Zeitung einen längeren Bericht über das Schützenfest; hier einige Auszüge:
In den Tagen vom 9. bis 11 August feierte der Frechener Schützen-Verein in herkömmlicher Weise sein diesjähriges Schützenfest. Eingeleitet wurde dasselbe am Samstagabend durch einen Fackelzug, an den sich ein Konzert in dem glänzend restaurierten und festlich geschmückten Saale des Vereinshauses anschloss. Am Montagmorgen hielt der Verein zunächst seinen gemeinschaftlichen Kirchgang. Nach demselben wurde in herkömmlicher Weise dem hochwürdigen Herrn Pfarrer Koch ein Ständchen dargebracht… Die Königswürde errang nach hartem Kampfe ein junges Mitglied, Herr Johann Henn jr., der zu seiner Königin Fräulein Kath. Maxrath erwählte: “ Im Vereinslokale wurden „die Portraits der beiden verstorbenen Kommandanten, der Herren Heinr. Enkel und Job Hilgers, sowie des verstorbenen Präsidenten, des Herrn Jos. Loevenich“ aufgehängt.
Zu der Zeit, da im nächsten Jahr das Schützenfest stattfinden sollte, brach der Erste Weltkrieg aus. Alle Vorbereitungen zum Fest waren schon getroffen. Eine Eintragung vom 11 August 1914 im Protokollbuch des Gemeinderates läßt die Situation deutlich erkennen:

„Da angesichts der augenblicklichen Lage das Schützenfest nicht stattfinden konnte bzw. dessen Feier untersagt werden musste, beschließt der Gemeinderat für alle aus Anlass dieses Festes angesteigerten Plätze (für Schaustellergeschäfte) die eingezahlten Platzmieten… zu erstatten.“

Anscheinend hat es nach Beendigung des Krieges eine gewisse Zeit gedauert bis man wieder ein Schützenfest feiern wollte. Aber die damalige britische Besatzung hatte am 14 Juli 1921 für die Zeit von vier Monaten alle Schützenfeste verboten, Der Gemeinderat beschäftigte sich mit dieser Verfügung und gab seiner Meinung Ausdruck, daß „die hiesigen Schützenvereine… keiner der Republik feindliche oder militärische Zwecke verfolgen.“ Vermutlich hat aber auch die Inflation in den nächsten Jahren die Feier des Schützenfestes verhindert, denn erst am 11. August 1925 berichtet unsere Quelle, das Frechener Tageblatt, wieder von diesem Volksfest:

„Bei herrlichstem Wetter fand gestern das diesjährige Schützenfest seinen Abschluß. Kurz vor 12 Uhr fiel der Königsschuss durch Herrn Schmitz, Mitinhaber der Firma Schmitz & Strang, Mühlengasse, der sich als Königin Fräulein Magdalena Kleinsorg… erwählte._“ Auch über das Fest im Jahre 1926 berichtet die Zeitung ausführlich, König wurde in diesem Jahr Herr Metzmacher. Die Mitgliederversammlung des Vereins gab sich am 26. Mai 1927 eine neue Satzung. Über den Zweck des Vereins wird im §2 ausgeführt: „Förderung des Schießsports als Leibesübung in Handhabung der Waffen… Pflege des Bürger- und Gemeinsinns… Humanität zu verbreiten… die Begehung eines echt volkstümlichen Festes zu sichern… Bildung eines Sammelpunktes für den geselligen Verkehr der Mitglieder.“

Im Jahr 1928 feierte der Verein sein 80. Stiftungsfest. Das Frechener Tageblatt schrieb am 13. August:

„Am Abend des Verfassungstages, an dem der Frechener Schützenverein unter allgemeiner Anteilnahme der Bevölkerung sein diesjähriges grosses Schützenfest einleitete, nahm der Präsident, Herr Jacob Cremer, Veranlassung, in packenden Worten des Verfassungstages zu gedenken… Am Samstagabend bewegte sich der Fackelzug durch den Ort.

Beim König, Herrn Hermann Balkhausen, und beim Kommandanten, Herrn Heinrich Hendrickx, wurde Halt gemacht, um den beiden Herren ein Ständchen zu bringen .. Im Festzug am nächsten Tage wurden achtzehn Fahnen mitgeführt, zwei große Musikkapellen begleiteten den Zug. Die Königswürde errang Herr Dachdeckermeister W. Belz.“

In seiner Ausgabe vom 1. Juli 1929 berichtete das Frechener Tageblatt von einem besonderen Ereignis:

„In scharfem Wettkampf errang der Frecherer Schützenverein am Sonntag auf dem Rheinischen Bundesschiessen in Neuss im Gruppenschießen die beiden ersten Preise, die überhaupt vergeben wurden, und zwar für Freihandschiessen und Für Angestrichenschießen. Trotzdem die Siegesnachricht sich erst in den Abendstunden im Ort verbreitete, wurde der Siegerverein um die Mitternachtsstunde von einer zahlreichen Menschenmenge festlich empfangen..- An der ,.Glocke“ wurden die heimkehrenden Sieger von der Concordia mit dem deutschen Sängergruß und dem Musikverein Euterpe mit einem Begrüßungsmarsch empfangen. Den Gefühlen und Empfindungen der Bevölkerung an dein Ehrentage… wusste Bürgermeister Dr. Toll in packenden Worten. Ausdruck zu geben.. In festlichem Zuge ging es dann durch die fahnengeschmückte und bunt illuminierte Haupt-und Antoniterstraße zum Schützenhaus. Der Präsident, Herr Beigeordneter Jacob Cremer, dankte den 10 Gruppenschützen.._ Weitere Ansprachen wurden gehalten von dem einzigen Ehrenmitglied_. Pfarrer Hennes, dem Ehrenbürger der Gemeinde, Hubert Prott, ferner von Heinrich Hendrickx und namens des Sportvereins von Walter Holdinghausen.“

Das Jahr 1930 hob sich im Schützenverein dadurch hervor, dass Jacob Cremer in einer besonderen Feierstunde am Abend des 9. August dafür geehrt wurde, daß er 25 Jahre das Amt des Präsidenten innehatte; auch gelang es ihm, beim zweiten Schuß den Vogel herunterzuholen und Schützenkönig zu werden.

Von überörtlicher Bedeutung war im Mai 1931 die Hauptvorstandssitzung der Erzbruderschaft vom hl. Sebastians im Frechener Schützenhaus. Das Frechener Tageblatt meldet dazu:

„Unter dein Vorsitz des Präsidenten der Erzbruderschaft, des Fürsten und Altgrafen zu Salm-Reifferscheidt, wurden in mehr als dreistündigen ernsten Verhandlungen die organisatorischen und sonstigen geschäftlichen Angelegenheiten beraten… Am Vorstandstisch bemerkten wir neben Fürst zu Salm-Reifferscheidt, Dr. Louis und Prof Dr. Berg, den Vizepräsidenten der Erzbruderschaft, Graf Wilderich von Spee zu Alme i. W., den Bundeskanzler W. Boden aus Küppersteg, Dechant Schwunk aus Attendorn, ferner unter den Ehrengästen Assessor Schneider als Vertreter des Oberpräsidiums, Assessor Dr. Gies als Vertreter des Landrats, Bürgermeister Dr. Toll, Pfarrer Hennes, Prof Baron von Capitaine, den Präsidenten des Frechener Schützenvereins, Jacob Cremer, und als Vertreter des Allgemeinen Deutschen Schützenbundes Gottfried Römlinghoven aus Köln..,“

Gemäß einer Meldung des Tageblatts vom 25. Mai 1932 erzielten die Schützenvereinsmitglieder Josef, Peter und Bartel Kleinsorg, sowie Hermann und Matthias Balkhausen beim Städtekampf in Mönchen-Gladbach zusammen 1044 Ringe und errangen damit die Meisterschaft. „Die Gruppe rückt durch diesen Sieg von der B- in die A-Klasse auf“.

Bis zum Jahr 1935 schildert der Chronist die Schützenfeste, dann war es plötzlich zu Ende, denn Von die Zeitung hatte ihr Erscheinen einstellen müssen. 1933 wurde der kommissarische Landrat Heinrich Lövenich Schützenkönig; 1934 wurde das Schützenfest wegen der angeordneten Volkstrauer um den Tod Hindenburgs auf den 26. August verlegt; König wurde Glasermeister Clemens Kastenholz.

In einer Vorschau auf das Fest wurde in der Zeitung auf die Not der Zeit hingewiesen. denn es herrschte in Frechen, wie überall, seit Jahren grosse Arbeitslosigkeit; es heisst da:

„Doch werden wir am Sonntag auch zuweilen ein Kind stehen sehen, welches all die Herrlichkeiten (auf dem Kirmesplatz) nur aus der Ferne sehen darf, denn es besitzt keinen Sonntagsgroschen, auch findet es keinen Festtagskuchen auf dem Tisch. Der Vater ist seit langem erwerbslos…“

1935 meldet die Zeitung noch, dass Matthias Cremen, Sternengasse, Schützenkönig geworden sei. Leider, wie oben gesagt, versiegt hier für die Lokalgeschichte so wertvolle Quelle.
Inzwischen hatte auch der Schützenverein sich der alles von oben her diktierenden Regierungsform unterzuordnen, er wurde “gleichgeschaltet“. Ausgewirkt hat sich das kaum, da bald das Jahr 1939 heranrückte und es mit dem sportlichen Schießen zu Ende war. Es wurde wieder einmal auf Menschen scharf geschossen! Da gab es andere Sorgen als Schützenfeste auszurichten, es kamen bald die gefürchteten Briefe ins Haus, die den Tod eines geliebten Menschen mitteilten. Das Vereinsleben ruhte.

Aufsicht beim Ehrenpreisschießen – Schützenfest auf dem Schulhof der Ringschule
durch Markus Hentrich und Jörg Oligschlaeger

Fast ein Jahrzehnt dauerte es, bis man wieder an die Feier eines Schützenfestes denken konnte. Jacob Cremer und Heinrich Hendrickx, die um das Frechener Schützenwesen so verdienten Männer, waren inzwischen verstorben. Mit dem Ende des Krieges war die Not nicht vorbei: Hunger und Geldentwertung hiessen die Plagen der Zeit. Erst nach der Währungsreform im Juni 1948 besserten sich die Verhältnisse langsam. Aber für die Schützen gab es noch ein Hindernis: die Besatzung liess keine Schützenvereine zu, So trägt die Festschrift zum hundertjährigen Jubiläum den Titel: „Hundert Jahre Frechener Bürgerverein“. 1947 war das Bogen- und Armbrustschiessen erlaubt worden.

Im Jahre 1950 nahm der Verein den Namen „Frechener Schützenbruderschaft St. Audomar“ an, jedoch nur für vier Jahre, dann kehrte er zum alten Namen zurück „Frechener Schützenverein“. In diesen drei Umbenennungen innerhalb so kurzer Zeit spiegelt sich die Entwicklung der Besatzungspolitik gegenüber dem deutschen Schützenwesen.

Im Jahre 1953 merkte der Kölner Stadt-Anzeiger an, dass beim Schützenfest die „Jugendgruppe der Audomaren, die in diesem Sommer zum ersten Male mit marschieren durfte und schon ihre eigene Fahne zeigte“, auftrat. Die Fahne hatten die Jungschützen selbst entworfen, und eine Schwester eines Jungschützen, Fräulein Thomer, hatte das Fahnentuch gestickt_ Beim gleichen Schützenfest erhielt das Mitglied Heinrich Müller als dritter deutscher Schütze die höchste Auszeichnung des Deutschen Schützenbundes; er war 65 Jahre Mitglied des Vereins. Am Schützenfest nahm auch der Präsident des Rheinischen Schützenbundes, Herr Tont Fellbusch, teil.

Vom Schützenfest des Jahres 1954 ist überliefert, dass es total verregnete. Die Folge soll ein vermehrter Alkoholumsatz gewesen sein.

Das Schützenfest des Jahres 1955 bekam durch die zahlreiche Teilnahme Kölner Schützenvereine und die Anwesenheit des Generalpräses Dr. Louis eine besondere Note. Als Ausklang dieser Plauderei möchte ich einen Auszug aus der Rede des Gemeindedirektors Hans Schaeven bringen, die er aus Anlaß des Jubiläums im Jahre 1948 hielt :

„Wenn die Frechener Schützen feiern, feiert gewöhnlich die ganze Bevölkerung_ Man braucht nur die Türen dieses Saales zu öffnen und die unbekümmerte Musik hereinzulassen, die vom Marktplatz herübertönt, um sich davon zu überzeugen. Aber heute feiern wir mehr als eins der fröhlichen Feste der Frechener Schützen und Frechener Bürger. Heute feiert der Frechener Bürgerverein ein Fest, wie auch er, bei aller Übung im Festefeiern, nur alle hundert Jahre eins feiern kann… Im Frechener Schützenverein war und ist bestes Frechener Bürgertum vertreten, ebenso bereit zu überschäumender rheinischer Lebensfreude, wie zu ernster sozialer Tat und Hilfe. Alles, was bereit ist zum Einsatz für Glaube und Sitte, alles, was an dieses Stück unserer rheinischen Heimat sein Herz verlor, Aufsicht beim Ehrenpreisschiessen – Schützenfest auf dem Schulhof der Ringschule hat im Frechener Bürgerverein seine Heimstatt.“

VonElena

Historische Schießplätze

Hier haben wir das erste Dokument vor uns, aus dem wir mit Sicherheit die Lage des Schiessplatzes ermitteln können, es ist ein Gelände am Pützhüllenweg, oder im alten Frechen auch Hüll oder Enges Hüllchen genannt- Dieses Gelände lag in der Verlängerung der Alte Straße nach Westen. Natürlich hat man auch schon vor dieser Anpachtung Schiessplätze gehabt. Wo mögen sie gelegen haben? Nun, es gibt in allen Ortsteilen Frechens und auch in Frechen selbst alte Flurnamen, die auf die Verwendung der Flur als Schießplatz hindeuten. Da ist zunächst der Flurname „Vogelsrute`, es ist jene Parzelle (Rute), auf der die Vogelstange stand. Die alte Frechener Vogelsrute lag, östlich der Audomarkirche. Der andere Flurname, der hier in Frage kommt, heisst „ Schnepprute Der Schnepper oder Schnapper ist nach Duden eine kleine Armbrust. Schnepprute ist also das Gelände, wo das Armbrustschiessen stattfand. Die so genannte Flur lag auf dem Wachtberg, genau an der Stelle, an der heute die Brikettfabrik steht.

Christian Prehl wird 1954 Schützenkönig

Vor 1867 hat man wahrscheinlich jenen Schiessstand benutzt, den der Wirt und Posthalter Kaiser hinter seinem Hause errichtet hatte; der Bauplan hierzu ist noch erhalten_ Das Gebäude, in dem sieh Gasthaus und Post befanden, war wahrscheinlich das Wohnhaus des ehemaligen Antoniterhofes Es lag genau vor dem heutigen Klüttenbrunnen, gegenüber der ehemaligen Marienschule, heute Keramikmuseum. Später wurde das Bürgermeisteramt in diesem Hause untergebracht, und zwar bis zum Jahre 1908, als das neue Rathaus erbaut wurde.

Hier mag eine kurze Abschweifung gestattet sein, die das Auffinden der alten Schützenkette der Bruderschaft betrifft. Am 4. November 1896 schrieb der Landrat an Dr. Klein, den Direktor des Provinzial-Museums (heute:Landesmuseum) in Bonn: „Bei dem Umbau des Gemeindehauses in Frechen haben sich folgende Gegenstände direct unter dem Dache in die Mauer eingemauert vorgefundene Ein eiserner Kasten enthaltend eine silberne Kette, an welcher ein silberner Vogel und 34 (muß heissen: 40) silberne Schilder befestigt sind… Nach Ansicht des Bürgermeisters hat der Kasten und der Vogel Kunstwerth, dagegen die Schilder nicht. Die Gegenstände befinden sieh auf dem Bürgermeister-Amt in Frechen.“

Nach der weiteren Beschreibung des Fundes, die wir aus Platzgründen nicht wiedergeben wollen, handelt es sich um die Königskette der Sebastianusbruderschaft. Die Kette ist vermutlich beim Einmarsch der Franzosen im Jahre 1794 hier versteckt worden und wurde dann vergessen, denn als 1832 die noch verbliebenen Mitglieder der Bruderschaft das Vermögen der Pfarrkirche St. Audomar überwiesen, war die Kette nicht dabei. 1794 gab es aber in Frechen noch kein Bürgermeisteramt, das haben erst die Franzosen eingeführt. Das heißt, zum Zeitpunkt, als die Kette versteckt wurde, war das Gebäude noch das Wohnhaus des Antoniterhalfen. Die Schicksale dieses Hauses sind oben näher geschildert. Von 1896 bis 1925 wurde die Königskette im Bürgermeisteramt aufbewahrt. Im Protokoll des Bürgenneistereirats vom 21. April 1925 heisst es auszugsweise: ,,…Der Bürgermeistereirat beschließt die Kette dem Frechener Schützenverein e.V. zum Eigentum zu überweisen unter der Bedingung, dass der gen. Verein die Kette für Ausstellungszwecke… zur Verfügung stellt.“

Kehren wir jetzt zu der Frage des Schiessplatzes zurück! Im Mai und Juni 1899 beschloß der Gemeinderat „den Ankauf.. des Schützenplatzes zwecks Anlage eines Marktplatzes und eines Spielplatzes für Kinder“. Am 17. November 1899 lautet der Beschluß des Gemeinderates. „Das angekaufte Terrain, sowie auch das dahinter gelegene Grundeigentum der Gemeinde anzuschütten. Letzteres soll, soweit angängig, in diesem Jahr noch verpachtet werden. – Der Schützenplatz soll verpachtet werden und wird der Bürgermeister ermächtigt, den Platz zum Preise von 50 Mark zu verpachten.“ Aus dieser Eintragung geht hervor, dass sich ehedem zwischen den heutigen Standorten des Rathauses und Schützenhauses eine Talmulde befand, die angeschüttet wurde, Durch diese tiefste Bodensenke floß einmal der Bach, der erst später über die Hauptstraße abgeleitet wurde.

1901 wird der Schützenplatz dem Wirte Oebel für nur 20 Mark verpachtet. Im nächsten Jahre, am 21. Juni 1902, reicht der Vorstand der Schützengesellschaftern Baugesuch ein; es lautet „Unter Anlage der erforderlichen Situationsplane… beabsichtigt die hiesige Schützengesellschaft auf ihrem neugekauften Grundstücke, gelegen gegenüber dem Antoniterplatz, welcher als Schützenplatz dienen soll, die Fundamente für drei Kugelfan.-Pfeiler herzustellen__“ Unterschrieben ist der Antrag von Johann Hilgers, Joseph Schmitz, Heinrich Kleinsorg, Heinrich Geusgen und Barth. Kleinsorg. Die Erlaubnis wurde bereits am 17, Juni erteilt, Kurz darauf muß auch mit dem Bau des Schützenhauses begonnen worden sein, das 1904 vollendet wurde. Seitdem war dies die „Heimat“ des Schützenvereins.

Erwin Müller wird 1958 Schützenkönig

Erwin Müller wird 1958 Schützenkönig

Der Schützenverein erfreute sich bei der Frechener Obrigkeit grossen Wohlwollens. Das kann daraus abgelesen werden, dass z. B. im Jahre 1900 für Tanzbelustigungen 50 Mark Lustbarkeitssteuer erhoben wurden; der Schützenverein zahlte nur 20 Mark, weil seine Bälle althergebracht waren, Als am 31. Oktober 1913 der Bürgermeister eine Anfrage des Landrats beantwortete, der sich im Auftrage der Regierung um Sitte und Anstand kümmern musste, schrieb er. „…In der Gemeinde Frechen werden abgehalten… das Schützenfest am 2. Sonntage im August und dem folgenden Montage an zwei Tagen… Der Gemeinderat erklärt, daß die vorbezeichneten Veranstaltungen althergebracht und bedenkenfrei seien, so dass nach Ansicht des Gemeinderats diese Veranstaltungen auch fernerhin in der bisher üblichen Zeit und Dauer zuzulassen sein dürften.
Dagegen hatte Wilhelm II, mit den Schützengesellschaften weniger im Sinn. Der Minister des Innern teilte am 15. Mai 1902 vertraulich mit: „Gelegentlich eines Spezialfalles haben Seine Majestät der Kaiser und König zu erkennen gegeben, daß Allerhöchstdieselben grundsätzlich im Allgemeinen nicht geneigt seien, Schützengilden und Schützengesellschaften durch Verleihung einer Fahne oder eines Fahnenbandes eine gleiche Auszeichnung angedeihen zu lassen, wie sie größeren Kriegervereinen, deren Mitglieder sämtlich im Heere aktiv gedient hatten,… zu Theil werde…“

VonElena

Plakat zum Schützenfest 1851

ProgrammA. Samstag, den 5. Juli, Vorabend:

Ankündigung des Festes durch Böllerschüsse.
Abends 9 Uhr: Fackelzug, Zapfenstreich und Serenade vor dem Kommandanten, Schützenkönige und
der Königin. Nachher feierliche General-Versammlung im Schützenlokale und Loosenziehung zum
Königsschießen.

B. Sonntag, den 6. Juli:

Morgens 5 Uhr Reveille. 10 Uhr Versammlung im Schützenzelte, Bewillkommnung der angekommenen
Mitglieder anderer Schützengesellschaften, hierauf Zug zum Kommandanten, Parade daselbst und
Einweihung der neuen Fahne. – Nachmittags 2 Uhr: Hornsignale, Versammlung der Schützen beim
Kommandanten, Abholung des Schützenkönigs und Zug zum geschmückten Festplatz; daselbst Kaffee
Gesellschaft, Harmonie und Tanz, Beginn des Vogel-, Stern- und Scheibenschießens,-sowie der
Volksspiele.

Abends 7 Uhr: Rückzug durch Frechen und Begleitung des Schützenkönigs nach Hause. – 1/2 10 Uhr:
Ball im festlich decorirtem Zelte, durch das Königspaar eröffnet.

C. Montag, den 7. Juli:

Morgens 8 Uhr Versammlung beim Kommandanten, Zug zur Kirche. – 9 Uhr.‘ Feierlicher Gottesdienst.
Nach dessen Beendigung Harmonie im Zelt. – Nachmittags 3 Uhr beginnen die nämlichen Feierlichkeiten
wie am Sonntage. -Abends 9 Uhr: Tanzmusik im Zelte.

D. Dienstag, den 8. Juli:

Vormittags 10 Uhr Restauration im Zelte. – Nachmittags die Feierlichkeiten wie an den beiden
vorherigen Tagen. – Abends 9 Uhr: Königs-Ball im Zelte.

E. Sonntag, den 13. Juli:

Nachfest: Nachmittags 2 Uhr: Hornsignale, Antreten beim Kommandanten, Abholung des Königs und
Zug nach dem Festplatze, Scheiben- und Sternenschießen bei Harmonie und Tanzmusik im Zelte.
Decorirung der drei bestem Scheibenschützen. – Abends 9 Uhr: Zum Schlusse Tanzmusik.

Uniformierte Mitglieder fremder Schützenvereine, welche sich beim Kommandanten melden und den Zügen anschließen wollen, haben freien Zutritt zu allen Festlichkeiten. Für Nichtschützen findet am Sonntage ein Preisscheiben-, am Montage und Dienstage ein Preisvogel-, so wie an allen drei ‚Pagen ein Sternenschießen statt.

Entree zu den Bällen 15 Sgr., zum Schießen und den Volksspielen an den Nachmittagen so wie zur Tanzmusik 10 Sgr., wofür eine Flasche Wein verabreicht wird. Damenfrei.

Für gute und presiwürdige Weine, so wie andere der Saison angemessenen Erfrischungen ist bestens gesorgt. Auch kann in einem beim Zelte angebauten Speisezimmer zu jeder Zeit a la Carte gespeist werden. Der Vorstand hat Sorge dafür getragen, daß verschiedene bequeme Wagen am Hahnenthore aufgestellt sind, welche gegen die mäßige Vergütung von 5 Sgr. zu jeder Tages- und Nachtzeit Gäste fahren.

Frechen, im Juni 1851

Der Vorstand

Wir dürfen wohl annehmen, dass so oder ähnlich alle Schützenfeste des vorigen Jahrhunderts verlaufen sind. ja, manche Festbräuche haben sich bis heute gehalten…

Das in dem Plakat erwähnte Schützenzelt scheint ein ziemlich fester Bau gewesen zu sein, denn im Frühjahr 1862, genauer am 21. April, sucht der Pächter der Schützenhalle, Johann Geusgen, beim Bürgermeister um die Genehmigung nach, dass in denn Lokal die von Dr. Fuß beantragte Urwählerversammlung stattfinden darf

Das Protokoll des Frechener Gemeinderates enthält unter dem 20. Juli 1867 die Eintragung dass die Gemeinde dem Schützenverein eine Landparzelle am Pützhüllenweg zur Anlage eines Schiessplatzes verpachtet. Die Pacht beträgt 5 Reichstaler pro Morgen, jedoch wird die Bedingung gestellt, dass der Verein keine Einwände erheben darf, wenn die Gemeinde aus der Fläche Wegebaumaterial entnehmen will.

VonElena

Der letzte Dorfkönig

Heinrich Höschler fährt im Frechener Tageblatt fort: „In der Gemeinde wurde nun eine Bürgerwehr gegründet, welche regelmässig Wachtdienst versah und ihre Waffen zu Hause aufbewahrte. Die Demokraten wühlten weiter. Sie übten Jagdfreiheit und rodeten Holz nach Belieben. An Sonntagen hielten sie Umzüge mit Fahnen und gezogenen Degen …

Aus den Mitgliedern der Bürgerwehr entstand 1848 die Frechener Schützengesellschaft. Ihr Versammlungslokal war zunächst der Anker unter dem Wirten Kaiser, jetzt Kolpinghaus; dort mag die Gesellschaft zur Zeit des Frechener Originals, des Ankersch Jupp, manche vergnügte Stunde erlebt haben. Der erste Präsident des Vereins war Niesemann (Anm. d. Verfassers: Schwiegervater des Bürgermeisters Kügelgen), Kommandant war Plog aus Marsdorf; Blömeling war Adjutant, Heinrich Enkel und Christian Neumann Hauptleute. Als Gründer sind noch zu nennen Heinrich Müller, Peter Joseph Müller, Theodor Müller, Toni Firmenich, Matthias Cremer und Johann Cremer. Das erste Königspaar war Levi und Johanna Voos. Der erste Königsvogel wurde in der Senkung oberhalb der Mühle geschossen, woselbst auch an diesem Schützenfeste ein Tanzzelt errichtet wurde. Im Jahre 1852 schoss Plog den Königsvogel. Als dieser Königsschuss fiel, knatterte gleichzeitig eine schlecht kommandierte Salve. Bei dieser Gelegenheit stand die Vogelstange auf dem Gemeindegrundstück oberhalb der Hüll.

Auf diesem Platz hatte auch früher die Bruderschaft ihr Schiessen abgehalten. Zweiter Präsident wurde Plog‘ Mundt, der Besitzer des Kölner Hofs, wurde Kommandant. Das Versammlungslokal wurde nach dem Kölner Hof verlegt… Auf dem Gebiet des Kölner Hofes stand auch die Vogelstange… Uni 1870 erlitt der Verein einen Rückgang_ Der Präsident fehlte. Heinrich Enkel war Kommandant, Jos. Becker Adjutant, Chr. Neumann Hauptmann und Peter Joseph Müller Rendant. Hierauf wurde Joseph Lövernich Präsident, unter dem Walter Enkel Kommandant und Hilgers Adjutant waren. Später wurde Hilgers Kommandant. Diesen folgten als Präsident Jacob Cremer und als Kommandant Heinrich Hendrickx, Nachdem Mundt dem Verein nicht mehr angehörte, wurde ein Schützenzelt aus Holzkonstruktion am Tönnesgässchen (jetziger Standort des Rathauses) erbaut. Die Schützengesellschaft hat von der Schützenbruderschaft die althergebrachte Gepflogenheit, die Prozession zu begleiten, übernommen…“

Der letzte „Dorfkönig" 1950 - Jakob Eisengarten

Der letzte „Dorfkönig“ 1950 – Jakob Eisengarten

In dem Bericht Höschlers sind wir den Ereignissen etwas vorausgeeilt; es sind noch einige Nachträge zu bringen, die das Vereinsleben im vorigen Jahrhundert etwas deutlicher in Erscheinung treten lassen. So möchte ich den Text eines Plakates zum Schützenfest 1851 wörtlich wiedergeben, weil dieses Plakat, drei Jahre nach der Neugründung, sehr aufschlussreich ist. Es heisst da

Schützenverein zu Frechen, Schützenfest des Jahres 1851.

Uriselbe wird unter Mitwirkung des Musik-Corps des Hochlöblichen Königl. Preuss. 30. Infanterie Regiments am Sonntag den 6., Montag den 7., Dienstag den 8. und Sonntag den 13. Juli dieses Jahres gefeiert. – Wenn auch im vorigen so wie in dem früheren Jahre durch die überaus große Teilnahne von Nahe und Ferne die Zufriedenheit Aller auf die urzweideutigste Weise bekundet worden ist, so wollen wir es uns doch nicht verbergen, dass manche Wünsche die gegebene Zeit unerfüllt lassen maßte. – Reich an Erfahrungen mannigfacher Art wird es aber unser Bestreben sein, in diesem Jahre durch vielerlei ganz neue Einrichtungen im sehr schon decorirten großen Zelte, so wie durch zweckmäßige Anordnungen der Festlichkeiten, insbesondere der Wahl der so allgemein beliebten Volksspiele dem Feste einen höheren Glanz zu bereiten Wir glauben uns daher der Hoffnung hingeben zu dürfen, daß die Teilnahme in diesem Jahre nicht mindergroß sein wird.

VonElena

Aus dem Hauptstaatsarchiv zu Düsseldorf

Das Hauptstaatsarchiv zu Düsseldorf bewahrt die Niederschrift eines Anonymus auf, der die Verhältnisse im Herzogtum Jülich darstellt. Er beschäftigt sich auch mit dem alten Schützenwesen, und wir können annehmen, dass so oder ähnlich auch in Frechen das Schützenfest begangen wurde. Es heisst da:

„Das Vogelschiessen pflegt ebenfalls in jeder Stadt und in jedem Dorf auf einen gewissen für ewig dazu bestimmten Tag kurz vor der Gottestracht angestellt zu werden. Man richtet nämlich auf einem Baum oder auf einer zu dem Ende unterhaltenen Vogelstange einen großen hölzernen Vogel auf, nach welchem sodann von den Einwohnern desselben Ortes, die dazu Lust haben, mit Feuerrohren und Flinten oder auch an einigen Orten mit Bogen und Armbrüsten geschossen wird. Niemand erhält hierbei etwas für seine Bemühung als nur allein derjenige, welcher das Glück hat, das letzte Stück vom Vogel herabzuschießen. Dieser wird mit grossem Frohlocken zum König ausgerufen, man umhängt seinen Körper mit allerhand silbernen Schildern, die zu dem Ende verwahrt werden, man setzte ihm einen Federbusch auf den Hut, man begleitet ihn von dem einen Haus zu dem anderen, wo man ihn allenthalben mit einem frischen Krug Bier bewillkommnet, ja, welches am meisten zu bewundern ist, man führet ihn sogar an unterschiedlichen Orten in die Kirche, allwo „Gott, dich Herr“

gesungen wird und von dem Pastor der sakramentalische Segen gegeben wird…

Schützenkönig und Präsident Jakob Cremer - Hauptstrasse / Ecke Rotkampstrasse

Schützenkönig und Präsident Jakob Cremer – Hauptstrasse / Ecke Rotkampstrasse

Als Frechen 1815 nach der französischen Besetzung preussisch geworden war, gab sich die Regierung alle Mühe, die durch die lange Kriegszeit eingerissenen Missstände im Land zu beseitigen. Vor allem hatte man es auf Landstreicher und Diebe abgesehen. Als der Frechener Bürgermeister Henrich Fischer am 6. Juni 1816 zu einer „allgemeinen Haus- und Landvisitation“ aufrief, meldeten sich fünf Förster, einige Jäger und „freiwillige Schützen, da jedermann glaubte, es würde eine Wolfsjagd veranstaltet…“ Obwohl sich die Sebastianusbruderschaft auf Anordnung der französischen Behörden hatte auflösen müssen, gab es dennoch zu Beginn der Preussenzeit noch Schützen, die dem Aufruf des Bürgermeisters gefolgt waren. Noch im Jahre 1825 gab es in der Audomarkirche eine Sebastianus-Statue, die wahrscheinlich eine Stiftung der Bruderschaft war. Dies erfahren wir aus einem Bankvermietungsprotokoll, in dem es heißt :

„Emanuel Uhles kaufte von seinem Schwiegervater Amand Stark ….einen Platz in der kleinen Bank mit dem Ende an den Pfeiler von St. Sebastian…“

Die Bruderschaft hat sich, wie gesagt, unter der französischen Herrschaft auflösen müssen und ist unter dem Namen nicht wieder erstanden. Ich folge jetzt den Ausführungen Heinrich Höschlers, der im Jahre 1927 im Frechener Tageblatt seine „Beiträge zur Heimatgeschichte- veröffentlichte
Die wenigen Mitglieder der Frechener Schützenbruderschaft übergaben 1832 das Restvermögen der Pfarrkirche St. Audomar als wohltätige Messestiftung für die verstorbenen Mitglieder der Bruderschaft. An Stelle der Schützenbrüder übernahmen 1810 junge Leute, die aus dem Krieg zurückgekehrt waren, die üblich gewesene Begleitung der Prozession mit Gewehren.

Am 9. März 1848 traten in Frechen die Demokraten auf den Plan.  Sie versammelten sich im Oberdorf und wollten sofort zur Teilung schreiten. Zuerst zogen sie zur Mühle des Gutsbesitzers Ceelen. Da sie daselbst nichts ausrichten konnten, zogen sie zum Bürgermeisteramt. rissen den Adler herunter und setzten an dessen Stelle eine Eule. An vielen vornehmen Häusern wurde versucht einzudringen. Die von Bürgermeister Kügelgen organisierte Wache war in der Schule auf dem Clarenhofgrundstück untergebracht. Die Wache wurde von der Menge überwältigt und floh bis auf den Wachmann Christian Neumann… Deutzer Dragoner stellten am nächsten Tage die Ruhe wieder her.“

Antoniterstrasse 1926 – Matthias Durst, Kommandant Hendrichx, Josef Effertz

Diese Unruhen in Frechen müssen vor einem allgemeineren Hintergrund besehen werden. Im Gefolge der im Februar 1848 in Paris gegen den Bürgerkönig Louis Philippe ausgebrochenen Revolution brachen auch in Deutschland überall Unruhen aus. Am 18. Mai wurde die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche unter dem Vorsitz des Heinrich von Gagern eröffnet. Sie beschloss die Ausschaltung des Deutschen Bundestages. wählte Erzherzog Johann zum Reichsverweser, erklärte die Grundrechte: Freiheit der Person. Gleichheit aller vor dem Gesetz, Presse- und Religionsfreiheit. Schliesslich wählte sie Wilhelm IV. von Preussen zum erblichen Kaiser. Dieser nahm aber „aus der Hand des Volkes“ die Krone nicht an. Unter den Abgeordneten zu Frankfurt befand sich auch Robert Blum. Seine Voreltern stammten aus Frechen. Neben dem Ratskrug stand an dein heutigen Strassendurchbruch ein kleines Fachwerkhaus, in dem die Familie Blum, in Frechen sagte man Blom, wohnte. Als man das Haus abbrach, eine Strasse durch die Häuserlücke führte, war das die „Blomestross“ Später wurde die Strasse in Marienstrasse und jetzt Keimesstraße unbenannt, der Name hat also mit „Blumen“ nichts zu tun… Robert Blum wurde noch im Jahre 1848 in Wien wegen der Teilnahme an einem Aufstand standrechtlich erschossen.

VonElena

Scheiben – Schnepper – Schützen

Historische Plauderei über das Frechener Schützenwesen von K. Göpels:

„Es gibt verschiedene Arten von Schützen. Die kleinsten sind die Abc-Schützen. Mit Ausnahme der Ferien sind sie das ganze Jahr in Dienst, essen viele Butterbrote, tragen den Tornister, geben auf ihre Uniform reglementwidrig wenig, machen in der Schule dem Lehrer Mühe und zu Hause Lärm. Sie bilden die Rekrutenabteilung der kleinen Armee und begleiten die grossen Schützen bei ihrem Ausmarsch mit lautem Jubel. Bei ihnen herrscht allgemeine Dienstpflicht, der Prozentsatz der Unbrauchbaren ist noch viel geringer als bei dem neuen Militärgesetz bei den Soldaten.

Der Flurschütz ist das Auge des Gesetzes, er heisst wohl deshalb so, weil er keine Flinte, sondern höchstens ein altmodisches Seitengewehr zu tragen pflegt, meistens auch das nicht einmal. Auch kann man seinen Namen davon ableiten, dass er die Flur vor unbefugten und Weidevieh schützt, sofern er es nicht vorzieht, an einem sonnigen Sommertag an einer geeigneten Stelle ein gesundes Mittagsschläfchen zu halten, was ihm bei seiner aufreibenden Arbeit wohl zu gönnen ist.

Bogenschützen, Armbrustschützen und Scharfschützen sind in unseren Tagen ziemlich ausser Gebrauch gekommen, aber mancher, der sein Leben lang kein Gewehr in der Hand gehabt hat, ist ein Meister im Böckeschiessen, und zwar nicht mit der Flinte, sondern auf jede nur mögliche andere Weise.

Dem Schicksal, den einen oder anderen Bock zu schiessen, entgeht schliesslich niemand; wer sonst am dümmsten ist, bringt es darin gewöhnlich am weitesten. Ein ganz kleiner Bogenschütze treibt in der ganzen Welt sein Wesen, besonders soll er auf Ballsälen, Ausflügen und auch auf Schützenfesten mit Vorliebe seine Opfer suchen. Gar leicht passiert es, dass er unvermerkt und unverhofft seinen Pfeil in die Herzen senkt… Während aber sonst jede Herzenswunde tödlich zu sein pflegt, ist die seinige oft genug das Signal zu neuem Leben …“

Ganz andere Gefühle beschleichen uns, wenn wir eines anderen Schützen gedenken, dessen Beute wir alle werden, der eine früher, der andere später:

„Der grimme Tod mit seinem Pfeil
Tut nach dem Leben zielen,
Den Bogen schiesst er ab in Eil‘
Und lässt nicht mit sich spielen…“

In dieser hier verkürzt wiedergegebenen Fassung hat der Chronist am 12, August 1911 in der Frechener Volkszeitung seine Vorstellungen über die verschiedenen Arten des Schützenwesens in launiger Art zur Darstellung gebracht. Und dennoch liegt hier ein ernstes sprachgeschichtliches Problem vor uns. Kommt das Wort „Schütze“ von schützen oder von schießen?

VonElena

Eine kurze Zusammenfassung.

Seit seiner Gründung im Jahre 1655 ist der Frechener Schützenverein (zu diesem Zeitpunkt noch „St.-Sebastianus-Schützen-bruderschaft“) eine feste Institution im Leben der frechener Mitbürger. Mit seinen Festen und Veranstaltungen prägte er das gesellschaftliche Bild der Stadt Frechen bedeutend mit. In den Wirren der französischen  Besetzung wurde der Verein 1832 aufgelöst. Hierbei gingen Teile des Schützensilbers verloren, welche allerdings später auf erstaunlichem Wege wiedergefunden wurden.

Im Jahre 1848 wurde der Verein dann unter dem jetzt bekannten Namen „Frechener Schützenverein e. V. 1655“ neugegründet. Das „Schützenhaus Frechen“ wurde im Jahre 1904 fertiggestellt und diente dem FSV e.V. 1655 mit seinem behaglichen Schankstuben, dem grossen Schützensaal und nicht zuletzt dem romantischen Schützengarten als neuen Heimat. Heute ist es nicht mehr im Vereinsbesitz.

Mit einer Zwischenstation auf der „Schießsportanlage der Gastwirtschaft Kleinsorg“ bezog der FSV e.V. 1655 am 05. Mai. 1995 seine jetzige Vereinsstätte dem „Landes-Leistungsstützpunkt für Schießsport Frechen“. Damals wie heute richtet der FSV sein alljährliches Schützenfest mit grosser Beteiligung der Bevölkerung aus.

VonElena

Was ist ein Schütze eigentlich

Die Germanisten sind sich darin einig dass Schützen Personen sind, die schießen. Waren ihre Haupttätigkeit das Behüten und Beschützen gewesen, so wäre derjenige. der diese Tätigkeit ausübt, nach deutschem Sprachgebrauch ein Schützer oder Beschützer… Diese Auffassung wird durch folgende Überlegung bestätigt… Man kennt die Wortbildungen Bogenschütze, Armbrustschütze und Büchsenschütze, nicht aber den Begriff Schwertschütze. Dieses Wort hat sich nicht eingebürgert, weil das Schwert keine Fernwaffe war. Schützen waren also nur jene Leute, die mit Fernwaffen umgingen.

Fertig zur Parade - Schützen 1926 vor dem Schützenhaus

Fertig zur Parade – Schützen 1926 vor dem Schützenhaus

Im sprachlichen Befund sind also Schützengesellschaften zunächst Schiess- und nicht Schutzmannschaften. Eine weitere Vorausbemerkung ist zu machen; Wenn wir in alten Dokumenten – und sie sollen hier in der Hauptsache zur Sprache kommen – den Begriff „Schütze” finden, so muss nicht unbedingt ein Mitglied der Schützenbruderschaft gemeint sein. Die Gemeinden hatten in alter Zeit Ordnungshüter und Wachpersonen, die fest angestellt waren und Schützen hiessen. Andererseits ist aber auch festzuhalten, dass jene Personen, die mit Waffen umgingen, üben mussten. Das geschah in den Schützengesellschaften. So ist es mehr als wahrscheinlich, dass die Schützen der alten Zeit auch Mitglieder der privaten Schützengilden gewesen sind.

Es ist bekannt, dass es auch in Frechen eine Schützenbruderschaft gegeben hat, die den hl. Sebastian als Patron verehrte. Leider sind die historischen Nachrichten über diese Bruderschaft sehr dürftig. Das beste Beweisstück ist die erhaltene Königskette, deren ältestes Königsschild aus dem Jahr 1655 stammt, als der Kannenbäcker Johann Schaaf Schützenkönig war. Das letzte Königsschild stammt aus dem Jahr 1794, also im Jahr, als die französischen Revolutionstruppen in Frechen einzogen.

Unter dem oben gemachten Vorbehalt möchte ich nun einige historische Dokumente aus Frechen über das alte Schützenwesen anführen:

Der Frechener Wald, der mit seinen 3000 Morgen auf den Höhen westlich des Ortes lag, wurde seit alters her durch ein sog. Weistum verwaltet. Ein Weistum ist, kurz gesagt, aufgeschriebenes Gewohnheitsrecht. Der Text des Weistums ist in vielen Exemplaren erhalten und inzwischen gedruckt. Jedes Jahr im Herbst wurde ein sog. Waldgeding oder Waldgericht gehalten, auf dem jene Personen gewählt wurden, die für ein Jahr für den Wald verantwortlich sein sollten. Neben den Waldgrafen, für die Herren und Erben je einen, wurden die Kirchmeister, Förster und auch Schützen benannt. Über die Waldgedinge sind Protokolle geführt worden, die aber nur zum kleinen Teil erhalten sind. Zwischen 1622 und 1629 sind sechs solcher Aufzeichnungen bisher aufgefunden worden Wenn der Schütze gewählt war, wurde ihm als Zeichen seines Amtes der „Schützenstock“ überreicht. Ich nehme an, dass dies jenes Instrument war, das der Schütze zur Abstützung seiner schweren Donnerbüchse benötigte.

Im Jahre 1629 waren bei dem Hexenprozess in Frechen gegen Ennen Ortjens, Trintgen Bonnen und Ennen Schmits acht Schützen beschäftigt. Sie erhielten für ihren Dienst jeder 12 Albus. Ausserdem, weil sie bei der Exekution „aufgewartet“, eine halbe Ohm Bier. Bei einem anderen Hexenprozess im gleichen Jahr gegen Billa Botzkeufen, Hille Bergisch, Nalen Kumpscheuren und Lisbeth Thomer wurden elf Schützen benötigt, die ähnlich belohnt wurden.

Am 18. Dezember 1697 werden vor dem Frechener Gericht die Schützen Peter Neunzig und Peter Schweren befragt, wie es möglich war, dass ein Gefangener aus der Haft ausbrechen konnte, den sie bewachen sollten. Wenn wir die verschiedenen Daten, die wir aus der alten Königskette ablesen können, ausser Betracht lassen, hören wir erst am 25. Februar 1729 ausdrücklich etwas von der Frechener Sebastianusbruderschaft. Heinrich Pflug (Plog) aus Benzelrath rief an diesem Tage den Pastor an sein Krankenbett, um eine Seelenmesse zu stiften. Der Text lautet wörtlich „Hr. Pastor jährlichs solle halten alle Quatember ein Seelenambt vor seine und seiner Frauen Seelen und beiderseits Verwandten, wie auch vor die abgestorbene Broder der Broderschaft des hl. Sebastiani .. „

Zwei Jahre später, am 3. August 1721, finden wir im Sterbebuch der Audomarkirche die Eintragung über den Tod des Ferdinand Wallraf, „gewesener Schultheiss zu Metternich und der Bruderschaft des hl. Sebastian dahier Hauptmann“. Ferdinand Wallraf ist von 1707 bis 1721 als Burghalfmann in Frechen nachweisbar.