Der letzte Dorfkönig

VonElena

Der letzte Dorfkönig

Heinrich Höschler fährt im Frechener Tageblatt fort: „In der Gemeinde wurde nun eine Bürgerwehr gegründet, welche regelmässig Wachtdienst versah und ihre Waffen zu Hause aufbewahrte. Die Demokraten wühlten weiter. Sie übten Jagdfreiheit und rodeten Holz nach Belieben. An Sonntagen hielten sie Umzüge mit Fahnen und gezogenen Degen …

Aus den Mitgliedern der Bürgerwehr entstand 1848 die Frechener Schützengesellschaft. Ihr Versammlungslokal war zunächst der Anker unter dem Wirten Kaiser, jetzt Kolpinghaus; dort mag die Gesellschaft zur Zeit des Frechener Originals, des Ankersch Jupp, manche vergnügte Stunde erlebt haben. Der erste Präsident des Vereins war Niesemann (Anm. d. Verfassers: Schwiegervater des Bürgermeisters Kügelgen), Kommandant war Plog aus Marsdorf; Blömeling war Adjutant, Heinrich Enkel und Christian Neumann Hauptleute. Als Gründer sind noch zu nennen Heinrich Müller, Peter Joseph Müller, Theodor Müller, Toni Firmenich, Matthias Cremer und Johann Cremer. Das erste Königspaar war Levi und Johanna Voos. Der erste Königsvogel wurde in der Senkung oberhalb der Mühle geschossen, woselbst auch an diesem Schützenfeste ein Tanzzelt errichtet wurde. Im Jahre 1852 schoss Plog den Königsvogel. Als dieser Königsschuss fiel, knatterte gleichzeitig eine schlecht kommandierte Salve. Bei dieser Gelegenheit stand die Vogelstange auf dem Gemeindegrundstück oberhalb der Hüll.

Auf diesem Platz hatte auch früher die Bruderschaft ihr Schiessen abgehalten. Zweiter Präsident wurde Plog‘ Mundt, der Besitzer des Kölner Hofs, wurde Kommandant. Das Versammlungslokal wurde nach dem Kölner Hof verlegt… Auf dem Gebiet des Kölner Hofes stand auch die Vogelstange… Uni 1870 erlitt der Verein einen Rückgang_ Der Präsident fehlte. Heinrich Enkel war Kommandant, Jos. Becker Adjutant, Chr. Neumann Hauptmann und Peter Joseph Müller Rendant. Hierauf wurde Joseph Lövernich Präsident, unter dem Walter Enkel Kommandant und Hilgers Adjutant waren. Später wurde Hilgers Kommandant. Diesen folgten als Präsident Jacob Cremer und als Kommandant Heinrich Hendrickx, Nachdem Mundt dem Verein nicht mehr angehörte, wurde ein Schützenzelt aus Holzkonstruktion am Tönnesgässchen (jetziger Standort des Rathauses) erbaut. Die Schützengesellschaft hat von der Schützenbruderschaft die althergebrachte Gepflogenheit, die Prozession zu begleiten, übernommen…“

Der letzte „Dorfkönig" 1950 - Jakob Eisengarten

Der letzte „Dorfkönig“ 1950 – Jakob Eisengarten

In dem Bericht Höschlers sind wir den Ereignissen etwas vorausgeeilt; es sind noch einige Nachträge zu bringen, die das Vereinsleben im vorigen Jahrhundert etwas deutlicher in Erscheinung treten lassen. So möchte ich den Text eines Plakates zum Schützenfest 1851 wörtlich wiedergeben, weil dieses Plakat, drei Jahre nach der Neugründung, sehr aufschlussreich ist. Es heisst da

Schützenverein zu Frechen, Schützenfest des Jahres 1851.

Uriselbe wird unter Mitwirkung des Musik-Corps des Hochlöblichen Königl. Preuss. 30. Infanterie Regiments am Sonntag den 6., Montag den 7., Dienstag den 8. und Sonntag den 13. Juli dieses Jahres gefeiert. – Wenn auch im vorigen so wie in dem früheren Jahre durch die überaus große Teilnahne von Nahe und Ferne die Zufriedenheit Aller auf die urzweideutigste Weise bekundet worden ist, so wollen wir es uns doch nicht verbergen, dass manche Wünsche die gegebene Zeit unerfüllt lassen maßte. – Reich an Erfahrungen mannigfacher Art wird es aber unser Bestreben sein, in diesem Jahre durch vielerlei ganz neue Einrichtungen im sehr schon decorirten großen Zelte, so wie durch zweckmäßige Anordnungen der Festlichkeiten, insbesondere der Wahl der so allgemein beliebten Volksspiele dem Feste einen höheren Glanz zu bereiten Wir glauben uns daher der Hoffnung hingeben zu dürfen, daß die Teilnahme in diesem Jahre nicht mindergroß sein wird.

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