Historische Schießplätze

VonElena

Historische Schießplätze

Hier haben wir das erste Dokument vor uns, aus dem wir mit Sicherheit die Lage des Schiessplatzes ermitteln können, es ist ein Gelände am Pützhüllenweg, oder im alten Frechen auch Hüll oder Enges Hüllchen genannt- Dieses Gelände lag in der Verlängerung der Alte Straße nach Westen. Natürlich hat man auch schon vor dieser Anpachtung Schiessplätze gehabt. Wo mögen sie gelegen haben? Nun, es gibt in allen Ortsteilen Frechens und auch in Frechen selbst alte Flurnamen, die auf die Verwendung der Flur als Schießplatz hindeuten. Da ist zunächst der Flurname „Vogelsrute`, es ist jene Parzelle (Rute), auf der die Vogelstange stand. Die alte Frechener Vogelsrute lag, östlich der Audomarkirche. Der andere Flurname, der hier in Frage kommt, heisst „ Schnepprute Der Schnepper oder Schnapper ist nach Duden eine kleine Armbrust. Schnepprute ist also das Gelände, wo das Armbrustschiessen stattfand. Die so genannte Flur lag auf dem Wachtberg, genau an der Stelle, an der heute die Brikettfabrik steht.

Christian Prehl wird 1954 Schützenkönig

Vor 1867 hat man wahrscheinlich jenen Schiessstand benutzt, den der Wirt und Posthalter Kaiser hinter seinem Hause errichtet hatte; der Bauplan hierzu ist noch erhalten_ Das Gebäude, in dem sieh Gasthaus und Post befanden, war wahrscheinlich das Wohnhaus des ehemaligen Antoniterhofes Es lag genau vor dem heutigen Klüttenbrunnen, gegenüber der ehemaligen Marienschule, heute Keramikmuseum. Später wurde das Bürgermeisteramt in diesem Hause untergebracht, und zwar bis zum Jahre 1908, als das neue Rathaus erbaut wurde.

Hier mag eine kurze Abschweifung gestattet sein, die das Auffinden der alten Schützenkette der Bruderschaft betrifft. Am 4. November 1896 schrieb der Landrat an Dr. Klein, den Direktor des Provinzial-Museums (heute:Landesmuseum) in Bonn: „Bei dem Umbau des Gemeindehauses in Frechen haben sich folgende Gegenstände direct unter dem Dache in die Mauer eingemauert vorgefundene Ein eiserner Kasten enthaltend eine silberne Kette, an welcher ein silberner Vogel und 34 (muß heissen: 40) silberne Schilder befestigt sind… Nach Ansicht des Bürgermeisters hat der Kasten und der Vogel Kunstwerth, dagegen die Schilder nicht. Die Gegenstände befinden sieh auf dem Bürgermeister-Amt in Frechen.“

Nach der weiteren Beschreibung des Fundes, die wir aus Platzgründen nicht wiedergeben wollen, handelt es sich um die Königskette der Sebastianusbruderschaft. Die Kette ist vermutlich beim Einmarsch der Franzosen im Jahre 1794 hier versteckt worden und wurde dann vergessen, denn als 1832 die noch verbliebenen Mitglieder der Bruderschaft das Vermögen der Pfarrkirche St. Audomar überwiesen, war die Kette nicht dabei. 1794 gab es aber in Frechen noch kein Bürgermeisteramt, das haben erst die Franzosen eingeführt. Das heißt, zum Zeitpunkt, als die Kette versteckt wurde, war das Gebäude noch das Wohnhaus des Antoniterhalfen. Die Schicksale dieses Hauses sind oben näher geschildert. Von 1896 bis 1925 wurde die Königskette im Bürgermeisteramt aufbewahrt. Im Protokoll des Bürgenneistereirats vom 21. April 1925 heisst es auszugsweise: ,,…Der Bürgermeistereirat beschließt die Kette dem Frechener Schützenverein e.V. zum Eigentum zu überweisen unter der Bedingung, dass der gen. Verein die Kette für Ausstellungszwecke… zur Verfügung stellt.“

Kehren wir jetzt zu der Frage des Schiessplatzes zurück! Im Mai und Juni 1899 beschloß der Gemeinderat „den Ankauf.. des Schützenplatzes zwecks Anlage eines Marktplatzes und eines Spielplatzes für Kinder“. Am 17. November 1899 lautet der Beschluß des Gemeinderates. „Das angekaufte Terrain, sowie auch das dahinter gelegene Grundeigentum der Gemeinde anzuschütten. Letzteres soll, soweit angängig, in diesem Jahr noch verpachtet werden. – Der Schützenplatz soll verpachtet werden und wird der Bürgermeister ermächtigt, den Platz zum Preise von 50 Mark zu verpachten.“ Aus dieser Eintragung geht hervor, dass sich ehedem zwischen den heutigen Standorten des Rathauses und Schützenhauses eine Talmulde befand, die angeschüttet wurde, Durch diese tiefste Bodensenke floß einmal der Bach, der erst später über die Hauptstraße abgeleitet wurde.

1901 wird der Schützenplatz dem Wirte Oebel für nur 20 Mark verpachtet. Im nächsten Jahre, am 21. Juni 1902, reicht der Vorstand der Schützengesellschaftern Baugesuch ein; es lautet „Unter Anlage der erforderlichen Situationsplane… beabsichtigt die hiesige Schützengesellschaft auf ihrem neugekauften Grundstücke, gelegen gegenüber dem Antoniterplatz, welcher als Schützenplatz dienen soll, die Fundamente für drei Kugelfan.-Pfeiler herzustellen__“ Unterschrieben ist der Antrag von Johann Hilgers, Joseph Schmitz, Heinrich Kleinsorg, Heinrich Geusgen und Barth. Kleinsorg. Die Erlaubnis wurde bereits am 17, Juni erteilt, Kurz darauf muß auch mit dem Bau des Schützenhauses begonnen worden sein, das 1904 vollendet wurde. Seitdem war dies die „Heimat“ des Schützenvereins.

Erwin Müller wird 1958 Schützenkönig

Erwin Müller wird 1958 Schützenkönig

Der Schützenverein erfreute sich bei der Frechener Obrigkeit grossen Wohlwollens. Das kann daraus abgelesen werden, dass z. B. im Jahre 1900 für Tanzbelustigungen 50 Mark Lustbarkeitssteuer erhoben wurden; der Schützenverein zahlte nur 20 Mark, weil seine Bälle althergebracht waren, Als am 31. Oktober 1913 der Bürgermeister eine Anfrage des Landrats beantwortete, der sich im Auftrage der Regierung um Sitte und Anstand kümmern musste, schrieb er. „…In der Gemeinde Frechen werden abgehalten… das Schützenfest am 2. Sonntage im August und dem folgenden Montage an zwei Tagen… Der Gemeinderat erklärt, daß die vorbezeichneten Veranstaltungen althergebracht und bedenkenfrei seien, so dass nach Ansicht des Gemeinderats diese Veranstaltungen auch fernerhin in der bisher üblichen Zeit und Dauer zuzulassen sein dürften.
Dagegen hatte Wilhelm II, mit den Schützengesellschaften weniger im Sinn. Der Minister des Innern teilte am 15. Mai 1902 vertraulich mit: „Gelegentlich eines Spezialfalles haben Seine Majestät der Kaiser und König zu erkennen gegeben, daß Allerhöchstdieselben grundsätzlich im Allgemeinen nicht geneigt seien, Schützengilden und Schützengesellschaften durch Verleihung einer Fahne oder eines Fahnenbandes eine gleiche Auszeichnung angedeihen zu lassen, wie sie größeren Kriegervereinen, deren Mitglieder sämtlich im Heere aktiv gedient hatten,… zu Theil werde…“

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