Scheiben – Schnepper – Schützen

VonElena

Scheiben – Schnepper – Schützen

Historische Plauderei über das Frechener Schützenwesen von K. Göpels:

„Es gibt verschiedene Arten von Schützen. Die kleinsten sind die Abc-Schützen. Mit Ausnahme der Ferien sind sie das ganze Jahr in Dienst, essen viele Butterbrote, tragen den Tornister, geben auf ihre Uniform reglementwidrig wenig, machen in der Schule dem Lehrer Mühe und zu Hause Lärm. Sie bilden die Rekrutenabteilung der kleinen Armee und begleiten die grossen Schützen bei ihrem Ausmarsch mit lautem Jubel. Bei ihnen herrscht allgemeine Dienstpflicht, der Prozentsatz der Unbrauchbaren ist noch viel geringer als bei dem neuen Militärgesetz bei den Soldaten.

Der Flurschütz ist das Auge des Gesetzes, er heisst wohl deshalb so, weil er keine Flinte, sondern höchstens ein altmodisches Seitengewehr zu tragen pflegt, meistens auch das nicht einmal. Auch kann man seinen Namen davon ableiten, dass er die Flur vor unbefugten und Weidevieh schützt, sofern er es nicht vorzieht, an einem sonnigen Sommertag an einer geeigneten Stelle ein gesundes Mittagsschläfchen zu halten, was ihm bei seiner aufreibenden Arbeit wohl zu gönnen ist.

Bogenschützen, Armbrustschützen und Scharfschützen sind in unseren Tagen ziemlich ausser Gebrauch gekommen, aber mancher, der sein Leben lang kein Gewehr in der Hand gehabt hat, ist ein Meister im Böckeschiessen, und zwar nicht mit der Flinte, sondern auf jede nur mögliche andere Weise.

Dem Schicksal, den einen oder anderen Bock zu schiessen, entgeht schliesslich niemand; wer sonst am dümmsten ist, bringt es darin gewöhnlich am weitesten. Ein ganz kleiner Bogenschütze treibt in der ganzen Welt sein Wesen, besonders soll er auf Ballsälen, Ausflügen und auch auf Schützenfesten mit Vorliebe seine Opfer suchen. Gar leicht passiert es, dass er unvermerkt und unverhofft seinen Pfeil in die Herzen senkt… Während aber sonst jede Herzenswunde tödlich zu sein pflegt, ist die seinige oft genug das Signal zu neuem Leben …“

Ganz andere Gefühle beschleichen uns, wenn wir eines anderen Schützen gedenken, dessen Beute wir alle werden, der eine früher, der andere später:

„Der grimme Tod mit seinem Pfeil
Tut nach dem Leben zielen,
Den Bogen schiesst er ab in Eil‘
Und lässt nicht mit sich spielen…“

In dieser hier verkürzt wiedergegebenen Fassung hat der Chronist am 12, August 1911 in der Frechener Volkszeitung seine Vorstellungen über die verschiedenen Arten des Schützenwesens in launiger Art zur Darstellung gebracht. Und dennoch liegt hier ein ernstes sprachgeschichtliches Problem vor uns. Kommt das Wort „Schütze“ von schützen oder von schießen?

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