So las man in der Zeitung …

VonElena

So las man in der Zeitung …

In den Jahren vor dem Ersten Weltkriege war das Schützenfest das hervorragende gesellschaftliche Ereignis im Dorf Die Frechener Volkszeitung hat alljährlich darüber berichtet.

So heißt es in ihr am 15. August 1911:

„In schönster Harmonie ist unser diesjähriges Schützenfest verlaufen. Am Samstagabend bewegte sich ein stattlicher Fackelzug unter den Klängen der Kapelle des 65. Infanterie-Regiments durch den Ort… Die und am 13. August Königswürde, errang Herr Christian Neumann .. „

und am 13. August 1912:
Montag wurde, nachdem man dem Gottesdienst beigewohnt, mit dem Schießen nach dem Königsvogel begonnen. Die Königswürde errang Herr Johann Cremer.“

Im nächsten Jahr brachte die Zeitung einen längeren Bericht über das Schützenfest; hier einige Auszüge:
In den Tagen vom 9. bis 11 August feierte der Frechener Schützen-Verein in herkömmlicher Weise sein diesjähriges Schützenfest. Eingeleitet wurde dasselbe am Samstagabend durch einen Fackelzug, an den sich ein Konzert in dem glänzend restaurierten und festlich geschmückten Saale des Vereinshauses anschloss. Am Montagmorgen hielt der Verein zunächst seinen gemeinschaftlichen Kirchgang. Nach demselben wurde in herkömmlicher Weise dem hochwürdigen Herrn Pfarrer Koch ein Ständchen dargebracht… Die Königswürde errang nach hartem Kampfe ein junges Mitglied, Herr Johann Henn jr., der zu seiner Königin Fräulein Kath. Maxrath erwählte: “ Im Vereinslokale wurden „die Portraits der beiden verstorbenen Kommandanten, der Herren Heinr. Enkel und Job Hilgers, sowie des verstorbenen Präsidenten, des Herrn Jos. Loevenich“ aufgehängt.
Zu der Zeit, da im nächsten Jahr das Schützenfest stattfinden sollte, brach der Erste Weltkrieg aus. Alle Vorbereitungen zum Fest waren schon getroffen. Eine Eintragung vom 11 August 1914 im Protokollbuch des Gemeinderates läßt die Situation deutlich erkennen:

„Da angesichts der augenblicklichen Lage das Schützenfest nicht stattfinden konnte bzw. dessen Feier untersagt werden musste, beschließt der Gemeinderat für alle aus Anlass dieses Festes angesteigerten Plätze (für Schaustellergeschäfte) die eingezahlten Platzmieten… zu erstatten.“

Anscheinend hat es nach Beendigung des Krieges eine gewisse Zeit gedauert bis man wieder ein Schützenfest feiern wollte. Aber die damalige britische Besatzung hatte am 14 Juli 1921 für die Zeit von vier Monaten alle Schützenfeste verboten, Der Gemeinderat beschäftigte sich mit dieser Verfügung und gab seiner Meinung Ausdruck, daß „die hiesigen Schützenvereine… keiner der Republik feindliche oder militärische Zwecke verfolgen.“ Vermutlich hat aber auch die Inflation in den nächsten Jahren die Feier des Schützenfestes verhindert, denn erst am 11. August 1925 berichtet unsere Quelle, das Frechener Tageblatt, wieder von diesem Volksfest:

„Bei herrlichstem Wetter fand gestern das diesjährige Schützenfest seinen Abschluß. Kurz vor 12 Uhr fiel der Königsschuss durch Herrn Schmitz, Mitinhaber der Firma Schmitz & Strang, Mühlengasse, der sich als Königin Fräulein Magdalena Kleinsorg… erwählte._“ Auch über das Fest im Jahre 1926 berichtet die Zeitung ausführlich, König wurde in diesem Jahr Herr Metzmacher. Die Mitgliederversammlung des Vereins gab sich am 26. Mai 1927 eine neue Satzung. Über den Zweck des Vereins wird im §2 ausgeführt: „Förderung des Schießsports als Leibesübung in Handhabung der Waffen… Pflege des Bürger- und Gemeinsinns… Humanität zu verbreiten… die Begehung eines echt volkstümlichen Festes zu sichern… Bildung eines Sammelpunktes für den geselligen Verkehr der Mitglieder.“

Im Jahr 1928 feierte der Verein sein 80. Stiftungsfest. Das Frechener Tageblatt schrieb am 13. August:

„Am Abend des Verfassungstages, an dem der Frechener Schützenverein unter allgemeiner Anteilnahme der Bevölkerung sein diesjähriges grosses Schützenfest einleitete, nahm der Präsident, Herr Jacob Cremer, Veranlassung, in packenden Worten des Verfassungstages zu gedenken… Am Samstagabend bewegte sich der Fackelzug durch den Ort.

Beim König, Herrn Hermann Balkhausen, und beim Kommandanten, Herrn Heinrich Hendrickx, wurde Halt gemacht, um den beiden Herren ein Ständchen zu bringen .. Im Festzug am nächsten Tage wurden achtzehn Fahnen mitgeführt, zwei große Musikkapellen begleiteten den Zug. Die Königswürde errang Herr Dachdeckermeister W. Belz.“

In seiner Ausgabe vom 1. Juli 1929 berichtete das Frechener Tageblatt von einem besonderen Ereignis:

„In scharfem Wettkampf errang der Frecherer Schützenverein am Sonntag auf dem Rheinischen Bundesschiessen in Neuss im Gruppenschießen die beiden ersten Preise, die überhaupt vergeben wurden, und zwar für Freihandschiessen und Für Angestrichenschießen. Trotzdem die Siegesnachricht sich erst in den Abendstunden im Ort verbreitete, wurde der Siegerverein um die Mitternachtsstunde von einer zahlreichen Menschenmenge festlich empfangen..- An der ,.Glocke“ wurden die heimkehrenden Sieger von der Concordia mit dem deutschen Sängergruß und dem Musikverein Euterpe mit einem Begrüßungsmarsch empfangen. Den Gefühlen und Empfindungen der Bevölkerung an dein Ehrentage… wusste Bürgermeister Dr. Toll in packenden Worten. Ausdruck zu geben.. In festlichem Zuge ging es dann durch die fahnengeschmückte und bunt illuminierte Haupt-und Antoniterstraße zum Schützenhaus. Der Präsident, Herr Beigeordneter Jacob Cremer, dankte den 10 Gruppenschützen.._ Weitere Ansprachen wurden gehalten von dem einzigen Ehrenmitglied_. Pfarrer Hennes, dem Ehrenbürger der Gemeinde, Hubert Prott, ferner von Heinrich Hendrickx und namens des Sportvereins von Walter Holdinghausen.“

Das Jahr 1930 hob sich im Schützenverein dadurch hervor, dass Jacob Cremer in einer besonderen Feierstunde am Abend des 9. August dafür geehrt wurde, daß er 25 Jahre das Amt des Präsidenten innehatte; auch gelang es ihm, beim zweiten Schuß den Vogel herunterzuholen und Schützenkönig zu werden.

Von überörtlicher Bedeutung war im Mai 1931 die Hauptvorstandssitzung der Erzbruderschaft vom hl. Sebastians im Frechener Schützenhaus. Das Frechener Tageblatt meldet dazu:

„Unter dein Vorsitz des Präsidenten der Erzbruderschaft, des Fürsten und Altgrafen zu Salm-Reifferscheidt, wurden in mehr als dreistündigen ernsten Verhandlungen die organisatorischen und sonstigen geschäftlichen Angelegenheiten beraten… Am Vorstandstisch bemerkten wir neben Fürst zu Salm-Reifferscheidt, Dr. Louis und Prof Dr. Berg, den Vizepräsidenten der Erzbruderschaft, Graf Wilderich von Spee zu Alme i. W., den Bundeskanzler W. Boden aus Küppersteg, Dechant Schwunk aus Attendorn, ferner unter den Ehrengästen Assessor Schneider als Vertreter des Oberpräsidiums, Assessor Dr. Gies als Vertreter des Landrats, Bürgermeister Dr. Toll, Pfarrer Hennes, Prof Baron von Capitaine, den Präsidenten des Frechener Schützenvereins, Jacob Cremer, und als Vertreter des Allgemeinen Deutschen Schützenbundes Gottfried Römlinghoven aus Köln..,“

Gemäß einer Meldung des Tageblatts vom 25. Mai 1932 erzielten die Schützenvereinsmitglieder Josef, Peter und Bartel Kleinsorg, sowie Hermann und Matthias Balkhausen beim Städtekampf in Mönchen-Gladbach zusammen 1044 Ringe und errangen damit die Meisterschaft. „Die Gruppe rückt durch diesen Sieg von der B- in die A-Klasse auf“.

Bis zum Jahr 1935 schildert der Chronist die Schützenfeste, dann war es plötzlich zu Ende, denn Von die Zeitung hatte ihr Erscheinen einstellen müssen. 1933 wurde der kommissarische Landrat Heinrich Lövenich Schützenkönig; 1934 wurde das Schützenfest wegen der angeordneten Volkstrauer um den Tod Hindenburgs auf den 26. August verlegt; König wurde Glasermeister Clemens Kastenholz.

In einer Vorschau auf das Fest wurde in der Zeitung auf die Not der Zeit hingewiesen. denn es herrschte in Frechen, wie überall, seit Jahren grosse Arbeitslosigkeit; es heisst da:

„Doch werden wir am Sonntag auch zuweilen ein Kind stehen sehen, welches all die Herrlichkeiten (auf dem Kirmesplatz) nur aus der Ferne sehen darf, denn es besitzt keinen Sonntagsgroschen, auch findet es keinen Festtagskuchen auf dem Tisch. Der Vater ist seit langem erwerbslos…“

1935 meldet die Zeitung noch, dass Matthias Cremen, Sternengasse, Schützenkönig geworden sei. Leider, wie oben gesagt, versiegt hier für die Lokalgeschichte so wertvolle Quelle.
Inzwischen hatte auch der Schützenverein sich der alles von oben her diktierenden Regierungsform unterzuordnen, er wurde “gleichgeschaltet“. Ausgewirkt hat sich das kaum, da bald das Jahr 1939 heranrückte und es mit dem sportlichen Schießen zu Ende war. Es wurde wieder einmal auf Menschen scharf geschossen! Da gab es andere Sorgen als Schützenfeste auszurichten, es kamen bald die gefürchteten Briefe ins Haus, die den Tod eines geliebten Menschen mitteilten. Das Vereinsleben ruhte.

Aufsicht beim Ehrenpreisschießen – Schützenfest auf dem Schulhof der Ringschule
durch Markus Hentrich und Jörg Oligschlaeger

Fast ein Jahrzehnt dauerte es, bis man wieder an die Feier eines Schützenfestes denken konnte. Jacob Cremer und Heinrich Hendrickx, die um das Frechener Schützenwesen so verdienten Männer, waren inzwischen verstorben. Mit dem Ende des Krieges war die Not nicht vorbei: Hunger und Geldentwertung hiessen die Plagen der Zeit. Erst nach der Währungsreform im Juni 1948 besserten sich die Verhältnisse langsam. Aber für die Schützen gab es noch ein Hindernis: die Besatzung liess keine Schützenvereine zu, So trägt die Festschrift zum hundertjährigen Jubiläum den Titel: „Hundert Jahre Frechener Bürgerverein“. 1947 war das Bogen- und Armbrustschiessen erlaubt worden.

Im Jahre 1950 nahm der Verein den Namen „Frechener Schützenbruderschaft St. Audomar“ an, jedoch nur für vier Jahre, dann kehrte er zum alten Namen zurück „Frechener Schützenverein“. In diesen drei Umbenennungen innerhalb so kurzer Zeit spiegelt sich die Entwicklung der Besatzungspolitik gegenüber dem deutschen Schützenwesen.

Im Jahre 1953 merkte der Kölner Stadt-Anzeiger an, dass beim Schützenfest die „Jugendgruppe der Audomaren, die in diesem Sommer zum ersten Male mit marschieren durfte und schon ihre eigene Fahne zeigte“, auftrat. Die Fahne hatten die Jungschützen selbst entworfen, und eine Schwester eines Jungschützen, Fräulein Thomer, hatte das Fahnentuch gestickt_ Beim gleichen Schützenfest erhielt das Mitglied Heinrich Müller als dritter deutscher Schütze die höchste Auszeichnung des Deutschen Schützenbundes; er war 65 Jahre Mitglied des Vereins. Am Schützenfest nahm auch der Präsident des Rheinischen Schützenbundes, Herr Tont Fellbusch, teil.

Vom Schützenfest des Jahres 1954 ist überliefert, dass es total verregnete. Die Folge soll ein vermehrter Alkoholumsatz gewesen sein.

Das Schützenfest des Jahres 1955 bekam durch die zahlreiche Teilnahme Kölner Schützenvereine und die Anwesenheit des Generalpräses Dr. Louis eine besondere Note. Als Ausklang dieser Plauderei möchte ich einen Auszug aus der Rede des Gemeindedirektors Hans Schaeven bringen, die er aus Anlaß des Jubiläums im Jahre 1948 hielt :

„Wenn die Frechener Schützen feiern, feiert gewöhnlich die ganze Bevölkerung_ Man braucht nur die Türen dieses Saales zu öffnen und die unbekümmerte Musik hereinzulassen, die vom Marktplatz herübertönt, um sich davon zu überzeugen. Aber heute feiern wir mehr als eins der fröhlichen Feste der Frechener Schützen und Frechener Bürger. Heute feiert der Frechener Bürgerverein ein Fest, wie auch er, bei aller Übung im Festefeiern, nur alle hundert Jahre eins feiern kann… Im Frechener Schützenverein war und ist bestes Frechener Bürgertum vertreten, ebenso bereit zu überschäumender rheinischer Lebensfreude, wie zu ernster sozialer Tat und Hilfe. Alles, was bereit ist zum Einsatz für Glaube und Sitte, alles, was an dieses Stück unserer rheinischen Heimat sein Herz verlor, Aufsicht beim Ehrenpreisschiessen – Schützenfest auf dem Schulhof der Ringschule hat im Frechener Bürgerverein seine Heimstatt.“

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