Was ist ein Schütze eigentlich

VonElena

Was ist ein Schütze eigentlich

Die Germanisten sind sich darin einig dass Schützen Personen sind, die schießen. Waren ihre Haupttätigkeit das Behüten und Beschützen gewesen, so wäre derjenige. der diese Tätigkeit ausübt, nach deutschem Sprachgebrauch ein Schützer oder Beschützer… Diese Auffassung wird durch folgende Überlegung bestätigt… Man kennt die Wortbildungen Bogenschütze, Armbrustschütze und Büchsenschütze, nicht aber den Begriff Schwertschütze. Dieses Wort hat sich nicht eingebürgert, weil das Schwert keine Fernwaffe war. Schützen waren also nur jene Leute, die mit Fernwaffen umgingen.

Fertig zur Parade - Schützen 1926 vor dem Schützenhaus

Fertig zur Parade – Schützen 1926 vor dem Schützenhaus

Im sprachlichen Befund sind also Schützengesellschaften zunächst Schiess- und nicht Schutzmannschaften. Eine weitere Vorausbemerkung ist zu machen; Wenn wir in alten Dokumenten – und sie sollen hier in der Hauptsache zur Sprache kommen – den Begriff „Schütze” finden, so muss nicht unbedingt ein Mitglied der Schützenbruderschaft gemeint sein. Die Gemeinden hatten in alter Zeit Ordnungshüter und Wachpersonen, die fest angestellt waren und Schützen hiessen. Andererseits ist aber auch festzuhalten, dass jene Personen, die mit Waffen umgingen, üben mussten. Das geschah in den Schützengesellschaften. So ist es mehr als wahrscheinlich, dass die Schützen der alten Zeit auch Mitglieder der privaten Schützengilden gewesen sind.

Es ist bekannt, dass es auch in Frechen eine Schützenbruderschaft gegeben hat, die den hl. Sebastian als Patron verehrte. Leider sind die historischen Nachrichten über diese Bruderschaft sehr dürftig. Das beste Beweisstück ist die erhaltene Königskette, deren ältestes Königsschild aus dem Jahr 1655 stammt, als der Kannenbäcker Johann Schaaf Schützenkönig war. Das letzte Königsschild stammt aus dem Jahr 1794, also im Jahr, als die französischen Revolutionstruppen in Frechen einzogen.

Unter dem oben gemachten Vorbehalt möchte ich nun einige historische Dokumente aus Frechen über das alte Schützenwesen anführen:

Der Frechener Wald, der mit seinen 3000 Morgen auf den Höhen westlich des Ortes lag, wurde seit alters her durch ein sog. Weistum verwaltet. Ein Weistum ist, kurz gesagt, aufgeschriebenes Gewohnheitsrecht. Der Text des Weistums ist in vielen Exemplaren erhalten und inzwischen gedruckt. Jedes Jahr im Herbst wurde ein sog. Waldgeding oder Waldgericht gehalten, auf dem jene Personen gewählt wurden, die für ein Jahr für den Wald verantwortlich sein sollten. Neben den Waldgrafen, für die Herren und Erben je einen, wurden die Kirchmeister, Förster und auch Schützen benannt. Über die Waldgedinge sind Protokolle geführt worden, die aber nur zum kleinen Teil erhalten sind. Zwischen 1622 und 1629 sind sechs solcher Aufzeichnungen bisher aufgefunden worden Wenn der Schütze gewählt war, wurde ihm als Zeichen seines Amtes der „Schützenstock“ überreicht. Ich nehme an, dass dies jenes Instrument war, das der Schütze zur Abstützung seiner schweren Donnerbüchse benötigte.

Im Jahre 1629 waren bei dem Hexenprozess in Frechen gegen Ennen Ortjens, Trintgen Bonnen und Ennen Schmits acht Schützen beschäftigt. Sie erhielten für ihren Dienst jeder 12 Albus. Ausserdem, weil sie bei der Exekution „aufgewartet“, eine halbe Ohm Bier. Bei einem anderen Hexenprozess im gleichen Jahr gegen Billa Botzkeufen, Hille Bergisch, Nalen Kumpscheuren und Lisbeth Thomer wurden elf Schützen benötigt, die ähnlich belohnt wurden.

Am 18. Dezember 1697 werden vor dem Frechener Gericht die Schützen Peter Neunzig und Peter Schweren befragt, wie es möglich war, dass ein Gefangener aus der Haft ausbrechen konnte, den sie bewachen sollten. Wenn wir die verschiedenen Daten, die wir aus der alten Königskette ablesen können, ausser Betracht lassen, hören wir erst am 25. Februar 1729 ausdrücklich etwas von der Frechener Sebastianusbruderschaft. Heinrich Pflug (Plog) aus Benzelrath rief an diesem Tage den Pastor an sein Krankenbett, um eine Seelenmesse zu stiften. Der Text lautet wörtlich „Hr. Pastor jährlichs solle halten alle Quatember ein Seelenambt vor seine und seiner Frauen Seelen und beiderseits Verwandten, wie auch vor die abgestorbene Broder der Broderschaft des hl. Sebastiani .. „

Zwei Jahre später, am 3. August 1721, finden wir im Sterbebuch der Audomarkirche die Eintragung über den Tod des Ferdinand Wallraf, „gewesener Schultheiss zu Metternich und der Bruderschaft des hl. Sebastian dahier Hauptmann“. Ferdinand Wallraf ist von 1707 bis 1721 als Burghalfmann in Frechen nachweisbar.

Über den Autor

Elena administrator

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.